Custom „lookalike“ Cafe Racer und Scrambler von Stallions

Nun ja. Wie berichtet man hier politisch korrekt? Sie sind uns ja immer wieder aufgefallen auf unserer Reise durch Thailand und Kambodscha „ist es ein Cafe Racer oder ein Stallions?“.

Das positive vorweg: Sie fallen auf und es gibt Zubehör ohne Ende! Es gibt sie als Klassiker, als Chopper, Scrambler, Tracker oder als Cafe Racer. Bei erster Betrachtung fällt auf dass man sich hier durchaus viele Gedanken gemacht hat. Bei näherer Betrachtung bröckelt der Glanz aber ganz rasch ab. Die 125er Version fällt optisch aus dem Rahmen und das Elektroauto passt irgendwie auch nicht in den Schauraum.

Zur Technik:

Die technischen Daten erscheinen einem noch plausibel. Wenn man jedoch ins Detail geht, wird einem bald klar warum so eine 400er nur umgerechnet ca. €3.500 kostet. Wenn sie eine Scheibenbremse aufweist, dann darf man es ruhig „Scheiberl“ nennen. Optisch ist es eher eine polierte Trennscheibe. Eine kleine wohlgemerkt. Den Rahmen würde die Beschreibung „zierlich“ verdienen und das, was zuerst als Schweissnaht identifiziert wurde, scheint eher so, als hätte man die Streben mit Kaugummi verbunden. Die Rahmenbeschichtung ist nicht erstklassig und bei der Lackierung vermutet man erst eine Folie.

Kurzum: Materialien und Verarbeitung sind definitiv nicht westlicher Standard. Allerdings sollte man den Preis immer im Hinterkopf behalten und auch nicht vergessen, dass diese 2-Räder hier ein richtiger Gebrauchsgegenstand sind.

IMG_1367Produziert werden die Stallions zusammen mit Shineray Motorcycles (China – what else?). Die Probegefahrene Centaur hatte 400ccm im einzigen Zylinder und bescheidene 29 Pferdeschwächen bei 30NM. Angeblich ist der Motor eine weiterentwickelte Version der Honda XBR 500 dessen Grundkonstruktion auch von XL/XR über Dominator und zuletzt der FMX beibehalten wurde. Wir sprechen hier immerhin über die Jahre 1983 bis 2007.

Die 35mm Gabel ist nicht verstellbar, hinten sorgen Twin Shocks für Dämpfung. Vorne wird mit 280er Scheiben verzögert, hinten versucht es eine Trommelbremse.  Dafür gibt es seitenweise Zubehör. Verschiedenste Sitzbänke, Taschen etc. in mäßiger Qualität allerdings auch hier sensationelle Preise.

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Soweit so gut.  Zeit für eine Probefahrt.

Wenn man viele Kilometer auf alten Motorrädern runterspult dann ist man ja einiges gewohnt. Schwammiges Fahrwerk, weiche Gabeln und Bremsen die das Wort verzögern nicht verdienen. Mit Beschleunigung oder Komfort verhält es sich da ähnlich. Aber sie haben Seele. Und sie sind deins. Sie haben meist eine Geschichte und es gibt viel Schönes daran zu entdecken. So ein Stallions hingegen…

Der E-Starter quält sich und bringt das Ding beim 3. Versuch zum Laufen. Hm! Der Sound… das Geräusch von Motor und Auspuff ist da, versetzt dich jedoch nicht in Ekstase. Das Geräusch der hinteren Trommelbremse bei dem Vorführer dafür schon. Aber die hintere Bremse braucht man eh nicht. Wenn man dann allerdings einmal die vordere ausprobiert hat, dann wünscht man sich doch eine funktionstüchtige hintere. Die Beschleunigung erinnert dann an einen unserer ersten Cafe Racer. Eine Honda CB360 mit falsch eingestellten Vergasern, einer zu klein geratenen Düse und einer rutschenden Kupplung. Die grosse Freude an einer ausgiebigen Probefahrt war schnell getrübt und die 400er Stallions wurde schon nach kurzer Zeit wieder in den Stall zurück gebracht.

Wie zufrieden man sei wurde freundlich gefragt. Wir werden noch nachdenken wurde freundlich gelogen.IMG_1423IMG_1429

 

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