Motorradfahren im Winter

Motorradfahren im Winter

Mit dem Motorrad durch Nordthailand

 

Thailand: Massentourismus? Nicht im Norden!

Am Weg in den Süden gibt es einen kurzen Zwischenstopp in Peking und gleich an den Platz des himmlischen Friedens – Tiananmen und die verbotene Stadt. Schon beeindruckend. Im Kunstviertel Dashanzi „798 Art Zone“ stehen wir mit offenem Mund inmitten des ehemaligen Fabrikareals. Kleinere Galerien und große Ausstellungsgebäude. Zeitgenössische Kunst, kleine Boutiquen und Cafés. Aber auch eine Lebensgroße Kopie vom Londoner ACE-Café.

 

 

 

Am Tag darauf Im Land des Lächelns angekommen und rasch ans Klima gewöhnt. Die gut gewartete Kawsaki Versys 650 mit 2 Seitenkoffern und 40tkm auf der Uhr steht für mich und meine Beifahrerin bereit.

Das erste Stück Landstraße ist vielversprechend. Der erste Kaffee auch.

Sehenswürdigkeiten lassen wir eher beiseite, dafür entschließen wir uns am Straßenrand zu essen. Die Gaststätte verfügt über kleine Hütten am Fluss. Zwar gibt es hier weder Sessel noch Besteck, dafür sensationelles Essen und einen Platz für ein Nachmittagsschläfchen.

Als sich die Sonne langsam verabschiedet, suchen wir uns ein Hotel in ThaoTon mit fulminantem Blick auf die Reisfelder. Lustiger Ort der nichts zu bieten hat. Und gerade das bevorzugen wir. Die fehlenden Sprachkenntnisse auf beiden Seiten machen das Kommunizieren zwar etwas schwierig, auf den Märkten nimmt man sich aber ohnehin einfach das vom Griller, was einem am besten zusagt.

 

Die nächsten Tage führen uns in den Norden bis an die Grenze von Myanmar und Laos. Die Straßen sind phantastisch und die Kurven wollen nicht aufhören.

Es verschlägt es uns ins Gebiet der Teebauern. Hier auf über 1.000 Metern ist es ein wenig frisch und somit gibt es Tee statt Kaffee. Auch hier wieder wunderbare Aussicht und kein Stück Straße ist gerade.

Zügig geht es der Landstraße entlang. Der leeren Landstraße. Kein Verkehr.

Das „Goldenen Dreieck“. Berühmt, berüchtigt und enttäuschend. Massentourismus! Alles was wir für hier geplant haben streichen wir mit sofortiger Wirkung und suchen uns etwas südlicher eine Bleibe. Wunderbar am Mekong gelegen mit Blick nach Laos. Bei Sonnenuntergang versöhnen wir uns wieder ein ganz klein wenig mit dem Dreieck. Hier – 20km außerhalb – gibt es kaum noch Touristen, dafür ein Folklorefest mit etwas schräger Musik (zumindest für unsere großen Ohren) und scharfes Essen das dir das Wasser aus allem Poren treibt.

 

 

Und dann ist sie da. Die Abzweigung. DIE Abzweigung. Highway Number 1148. Eine der angeblich spektakulärsten Motorradstrecken der Welt. Nun vermisse ich meine Ducati und hab dafür ein wenig zu viel Gepäck mit. Nun gut. Linienwahl auf durchkommen. Die Kawa und die vielen Kilos haben mich zwar erst ein wenig geärgert, dann aber doch noch Spaß gemacht. Sauber und rund durch die Kurven. Stundenlang. Unglaublich! Was für den einen der Himmel auf Erden ist, kann für einen anderen den Schweiß auf der Stirn kalt werden lassen. So unterschiedlich sehen das 2 Menschen auf einer Maschine wenn sie den Gipfel erreicht haben. Sorry Baby. Ich konnte nicht anders. Dabei hab ich echt versucht langsam und geschmeidig…. Ok. Ich machs nie wieder.

Einmal drüber geschlafen und schon das Versprechen vergessen. Die Straße ist für Biker abermals überwältigend! Ewigkeiten geht es über Felder und durch Wälder und kaum einmal behindert eine Gerade den Kurvendschungel.

 

 

Mittags halten wir in Bo Kluea. Hier wird in den Salinen Salz abgebaut und in den Hütten am Fluss über offenem Feuer gesiedet. Die wenigen Lücken im Gepäck füllen wir mit Salz.

Als die Sonne sich verabschiedete stießen wir durch Zufall auf unsere Bleibe für diese Nacht. Kleine Bungalows inmitten der… richtig: Reisfelder.

Die Vermieterin hat uns Fahrräder angeboten und wir nutzten die Chance auf etwas Bewegung und sind mit den Rädern durch die Reisfelder wo die Bauern gerade ihre Felder bestellten. Grandios. Ruhe. Freundliche Gesichter. Schöne Fotomotive!

Am Rückweg wollten wir uns ein Bier mitnehmen. Aber halt! Das wird es ab 18:00 Uhr verkauft. Ohne Bier ins Quartier!

 

 

Weihnachten haben wir diesmal etwas anders erlebt. Eigentlich ging das relativ spurlos an uns vorüber. Den Morgen des 24. haben wir mit der Suche nach einer Fähre verbracht, die angeblich Motorräder an die andere Seite des Sees bringt. Gesucht. Gefunden. Geladen. Spanngurte oder Schwimmwesten sucht man hier vergeblich. Dafür treffen wir auf eine kleine Gruppe Biker aus Chiang Mai und wir bestreiten die Überfahrt gemeinsam.

Eine vermeintliche Abkürzung entpuppt sich als Schotterstraße. 60km durch den Dschungel und eine über den Haufen geworfene Zeitplanung. Den Heiligen Abend verbringen wir in Phae in einem Eisebahnwagon bei Steak und Bier.

Mit „Melli Klimes“ werden wir im Hotel verabschiedet und gleich darauf geht es wieder den Reisfeldern entlang.

So vergingen die Tage in Schräglage. Die Kawasaki war uns ein treuer Weggefährte. Wenn auch etwas unspektakulär, so hat sie uns zumindest nie im Stich gelassen. Die Straßen in Nordthailand sind einzigartig, der Asphalt meist in Ordnung und wenn der Verkehr in den Städten auch irre ist, so ist man auf den Landstraßen immer alleine unterwegs. Um einen Schlafplatz haben wir uns immer erst dann gekümmert, wenn die Sonne schon recht tief stand. Essenstechnisch wurden wir nie enttäuscht, auch wenn wir uns da oder dort auf das eine oder andere Experiment eingelassen haben.

 

 

Zum Abschluss noch ein paar Tage Bangkok. Da wir die Sehenswürdigkeiten der Stadt aus vergangenen Reisen schon alle kennen, können wir uns auf die neuen – und leider etwas entlegenen – Stadtteile konzentrieren. Es hat sich einiges getan und es gibt viele interessante Plätze. Aber wir wollen nicht alles verraten, damit sie noch ein weniger länger so bleiben wie sie sind.

Ach ja: Wenn es zu stressig wird in Thailand, dann steuert man einfach einen Massagesalon an. Die gibt es in der Stadt genauso wie am Land. So endet jeder Tag mit wohlverdienter Entspannung.

 

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